3. Ausbildung qualifizierter Fachkräfte
Die Hochschulen bilden qualifizierte Fachkräfte aus für den regionalen und bundesweiten Arbeitsmarkt in der gesamten Breite für Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und Staat. Die Lehrkräftebildung, die Ausbildung von Fachkräften für den Landesdienst und die Sicherstellung der Ausbildung in sogenannten Mangelberufen (Psychotherapie, Pflege, Hebammenwissenschaft usw.) stellen eine besondere Verantwortung dar, der sich die Hochschulen und das Land Berlin gemeinsam stellen müssen.
Wie wollen Sie den Fachkräftebedarf sichern? Wie stellt Ihre Partei die auskömmliche Finanzierung der dafür benötigten Studienangebote sicher? Welche Rolle spielt dabei die internationale Ausrichtung von Studiengängen, um auch ausländische Fachkräfte nach Deutschland zu holen?
Der Fachkräftebedarf lässt sich nur mit vorausschauender Bedarfsplanung sichern. Dabei dürfen die Hochschulen nicht unter Druck gesetzt werden, in unrealistischer Zeit eine große Anzahl bestimmter Absolventen hervorzubringen.
Zur Sicherung des Fachkräftebedarfs wollen wir langfristige Vereinbarungen mit den Hochschulen treffen und die dafür notwendigen Mittel für die benötigten Studiengänge in vollem Umfang bereitstellen. Neben den Hochschulverträgen, die nur alle fünf Jahre neu verhandelt werden, soll es zu diesem Zweck auch möglich sein, ergänzende Zusatzvereinbarungen zu schließen, um frühzeitig auf erkannte Bedarfe reagieren zu können.
Fachkräftesicherung ist eine zentrale Zukunftsfrage für Berlin. Hochschulen leisten dazu einen wichtigen Beitrag. Sie qualifizieren junge Menschen, ermöglichen gute Lehre und geben Impulse für Wirtschaft und Gesellschaft. Damit das gelingt, brauchen sie verlässliche Rahmenbedingungen und Studienangebote, die dauerhaft tragfähig sind. Die dafür nötige Finanzierung soll über eine auskömmliche Hochschulfinanzierung und verlässliche Hochschulverträge abgesichert werden. Zugleich braucht Berlin eine Fachkräftestrategie, die Menschen besser in Ausbildung, Qualifizierung und Arbeit bringt, Abbrüche reduziert und vorhandene Potenziale auf dem Arbeitsmarkt konsequenter nutzt. Eine internationale Ausrichtung ist dabei ein wichtiger Baustein. Deshalb wollen wir Hürden abbauen, Anerkennungsverfahren transparenter machen und das Berliner Willkommenszentrum stärken.
Die Berliner Hochschulen leisten einen unverzichtbaren Beitrag für unsere Gesellschaft, indem sie die Fachkräfte ausbilden, die unser Land dringend benötigt. Damit sie dieser Verantwortung gerecht werden können, brauchen sie verlässliche Rahmenbedingungen und eine solide Finanzierung. Als CDU stehen wir für eine leistungsfähige Hochschullandschaft, die Exzellenz in Forschung und Lehre, gute Studienbedingungen und eine klare Orientierung an den Bedarfen des Arbeitsmarktes miteinander verbindet. Gerade in der Lehrkräftebildung sowie in Mangelberufen wie Psychotherapie, Pflege, Hebammenwissenschaften und weiteren Gesundheitsberufen sehen wir eine gemeinsame Verantwortung von Hochschulen und Land Berlin.
Um den Fachkräftebedarf langfristig zu sichern und die Qualität von Studium und Lehre weiter zu verbessern, wollen wir den Hochschulen zusätzliche finanzielle Spielräume eröffnen. Dazu setzen wir auf eine auskömmliche Grundfinanzierung durch das Land, eine stärkere Beteiligung des Bundes, gezielte Programme zur Fachkräftesicherung, den Ausbau des dualen Studiums sowie eine enge Zusammenarbeit mit Wirtschaft, Stiftungen und Forschungseinrichtungen. Ergänzend wollen wir weitere Finanzierungsquellen erschließen, um die Leistungsfähigkeit der Hochschulen dauerhaft zu sichern.
Dazu gehört aus unserer Sicht auch die Möglichkeit moderater Studienbeiträge bei einer erheblichen Überschreitung der Regelstudienzeit oder für Studierende aus Staaten außerhalb der Europäischen Union. Die dadurch erzielten zusätzlichen Einnahmen sollen unmittelbar Studium und Lehre zugutekommen und die Attraktivität Berlins als Studienstandort stärken. Gleichzeitig ist uns wichtig, soziale Härten konsequent zu vermeiden. Deshalb sollen Ausnahmen beispielsweise bei familiären Belastungen, Erwerbstätigkeit, Krankheit oder anderen besonderen Lebenslagen vorgesehen werden.
Die internationale Ausrichtung von Studiengängen sehen wir zugleich als wichtigen Baustein zur Fachkräftesicherung. Internationale Studienangebote – insbesondere in Zukunftsfeldern wie Digitalisierung, Gesundheit, Ingenieurwissenschaften oder Klimatechnologien – erhöhen die Attraktivität Berlins für hochqualifizierte Talente aus aller Welt und stärken zugleich die internationale Vernetzung von Forschung und Wissenschaft.
Die Lehrkräftebildung ist sowohl als Fachkräftebildung an sich, als auch für die Fachkräftebildung von zentraler Bedeutung. Deshalb müssen die Kürzungen auch bei der Lehrkräftebildung zurückgenommen werden. Zusätzlich werden wir den lehrkräftebildenden Hochschulen über die Hochschulverträge hinaus für die gesamte Legislatur zusätzliche Mittel zur Verfügung stellen, mindestens im Umfang der bisherigen Sonderprogramme „Beste Lehrkräftebildung“ und „Steigerung Lehramtsabsolvierende“. Mit diesen Maßnahmen wollen wir die Lehrkräftebildung bedarfsgerecht ausstatten. Wir streben eine Zielzahl von 3.000 Lehramtsabsolvent*innen jährlich an, da auch in den kommenden Jahren durchgehend ein Einstellungsbedarf in dieser Höhe besteht. Wir wollen gesetzlich regeln, dass die Ausbildungskapazitäten an den Hochschulen verbindlich an den prognostizierten Einstellungsbedarf angepasst werden müssen. Zudem setzen wir uns für einen bundesweiten Staatsvertrag zur bedarfsgerechten Lehrkräfteausbildung inklusive Bund-Länder-Finanzierung ein und werden eine entsprechende Bundesratsinitiative starten. Wir werden das Lehrkräftestudium universitätsübergreifend flexibler gestalten und weiter professionalisieren. Bei der konzeptionellen Überarbeitung des Lehramtsstudiums muss sichergestellt werden, dass die Querschnittsthemen pädagogische Haltung und multiprofessionelles Arbeiten, Selbst- und Sozialkompetenzen, Beziehungsarbeit und Antidiskriminierung, Umgang mit Diversität, inklusive Pädagogik, Medienbildung, Demokratiebildung, Schulentwicklung, Deutsch als Zweitsprache, Elternarbeit sowie armutssensible Pädagogik im Studium verbindlich mehr Raum bekommen.
Die Sicherung des Fachkräftebedarfs wird insbesondere durch die Erhaltung von Studienangeboten in Mangelberufen wie bspw. Psychotherapie, Pflege und Hebammenwissenschaft vorangetrieben. Eine verlässliche Finanzierung dieser Angebote wird dabei durch Hochschulverträge zwischen dem Land und den Hochschulen garantiert. So kann langfristig Planungssicherheit geschaffen und eine bedarfsgerechte Ausbildung gewährleistet werden.
Schon heute ist das Gesundheitswesen ohne Zweifel eine der am stärksten vom Arbeits- und Fachkräftemangel betroffenen Branchen. Die demografische Entwicklung wird die Nachfrage nach Gesundheits- und Pflegeleistungen in den nächsten Jahren noch erheblich weiter steigern. Bis zum Jahr 2030 fehlen in Berlin alleine 10.000 Pflegekräfte. Als ein wichtiger Baustein der Fachkräftesicherung müssen daher die aktuellen Kürzungen nicht nur zurückgenommen werden, die Ausbildungskapazitäten im Gesundheitsbereich müssen im Gegensatz sogar erheblich gesteigert werden.
Wir wollen die Ausbildung in Pflege- und Heilberufen ebenso fördern, wie das Studium der Medizin. Der persönliche soziale Hintergrund soll über den Berufsweg möglichst wenig entscheiden und dem Fachkräftemangel muss entgegengewirkt werden.
Die Linke setzt sich dafür ein, dass Kliniken mehr Plätze für Psychotherapeut*innen in Weiterbildung nach PsychThApprO bereitstellen. Psychotherapeut*innen in Ausbildung sollen eine angemessene Ausbildungsvergütung erhalten.
Zugleich spielt die internationale Ausrichtung der Studiengänge inhaltlich und strukturell eine wichtige Rolle. Studienangebote sollen weiterhin offen für EU-Bürger*innen und internationale Studierende sein, um zusätzliche Potenziale für den Arbeitsmarkt zu erschließen und die Fachkräftesicherung zu stärken. Das Studium bleibt dabei Studiengebührenfrei, auch für internationale Studierende.
Die Finanzierung wird über ein erhöhtes Finanzvolumen der Hochschulverträge noch in der aktuellen Laufzeit sichergestellt.
